| Freiwilligenarbeit |
Das neue Verständnis der FreiwilligenarbeitVeränderte Motive in einer veränderten Gesellschaft Freiwillige suchen eine neue Herausforderung. Sie verfügen über freie Zeit und sind gewillt diese für eine Idee einzusetzen. Sie möchten dabei ihre Neugierde, Initiative und Flexibilität, ihre beruflichen und sozialen Kompetenzen zum tragen bringen. Freiwilligenarbeit ist in der Veränderung begriffen. Traditionellerweise wurde sie früher eher im formellen Rahmen für einen Verein, die Kirche oder eine wohltätige Organisation geleistet. Im Laufe der Zeit haben sich jedoch Einsatzbereiche und vor allem auch die Motivation verändert. Lange dauernde, aufopfernde Tätigkeiten stehen nicht mehr im Vordergrund. Viel mehr sind Freiwillige heute an punktuellen, befristeten Aktivitäten interessiert, sind kritisch, wollen bezüglich der Ausgestaltung ihres Einsatzes mitreden und wollen dass es ihnen „etwas bringt“. Drei wesentlichen Hauptmotive sind dabei festzustellen:
Arbeitszeit/Freizeit/Sozialzeit Bislang war es üblich, dass wir unsere Zeit in Arbeits- und Freizeit aufteilten. Bei genauem Hinsehen erweist sich dies Aufteilung jedoch als ungenau, denn eben die unbezahlte Arbeit innerhalb oder ausserhalb der Familie wird dabei nicht berücksichtigt. Doch wo soll diese zugeteilt werden? Wenn Freizeit die Zeit ist, in der man tun kann was man will, ist die Freiwilligenarbeit wohl kaum dort einzureihen. Auf der andern Seite fällt sie auch aus der Arbeitszeit, weil ja kein Arbeitsvertrag und kein Lohn Grundlage bieten. Es braucht demnach eine neue Zeitstruktur, in der neben der Arbeits- und Freizeit als drittes Element die Sozialzeit hinzugefügt wird. „Sozialzeit“ bezeichnet die Idee, einen Zeitraum im Alltag zu benennen, der dazu dient, soziale Verantwortung im politischen oder sozialen Rahmen wahrzunehmen. Freiwilligenarbeit und Gleichstellung Freiwilligentätigkeit verfestigt auch heute noch bestehende Unterschiede im sozialen Status der Geschlechter denn dort verhält es sich wie bei der Erwerbsarbeit: Frauen und Männer sind in anderen Bereichen und in unterschiedlichen Positionen tätig. Im Sozialbereich sind drei Viertel der freiwillig Tätigen Frauen. Männer sind hauptsächlich in Interessenverbänden, politischen Parteien und im Sport aktiv. Frauen finden wir eher in ausführenden Positionen, Männer häufiger in Ehrenämtern. Der Nutzen freiwilliger Tätigkeiten Der Nutzen freiwilliger Arbeit liegt primär im privaten Bereich. Sie kann zu einem besseren Verständnis von sozialen und politischen Zusammenhängen beitragen und der ausführenden Person das Gefühl vermitteln eine sinnvolle Aufgabe zu erfüllen. Sie kann das Selbstbewusstsein stärken und alltägliche Handlungskompetenzen erweitern. Sie kann der persönlichen Bildung dienen und Schritte zu beruflichen Tätigkeiten einleiten. Freiwilligenarbeit ist ein leicht zugängliches Erfahrungsgebiet mit grosser inhaltlicher und zeitlicher Gestaltungsfreiheit. Die Kontrolle der Arbeitsqualität ist gering. So kann sie für die betreffende Person von hoher persönlicher Qualität sein. Trotzdem ist es bislang nur beschränkt gelungen diesen persönlichen Nutzen auch gesellschaftlich umzumünzen. Erste Schritte sind mit der Anwendung von Standards, der Anerkennung durch einen Ausweis (Sozialzeit-Ausweis, u.a.) und der Bildung von Koordinationsstellen getan. Doch gesamtgesellschaftlich steckt der praktische Nutzen dieser Sozialzeit-Einsätze noch in den Kinderschuhen. |
